Gaming-Industrie in Österreich

Das geschätzte Marktvolumen der Gamingindustrie in Österreich sind ca. 300 Mio. Jahresumsatz. Ein großer Teil davon fällt auf die Novomatic, die ist nämlich größter Spieleanbieter Österreichs. Daneben gibt es aber noch unzählige kleine, mittlere und auch einige große Studios die sich mit der Entwicklung von Spielen beschäftigen. Von den bloßen Verkäufen leben können die Wenigsten. Ohne Förderungen wie z.B. von departure geht meistens nichts. Das kleine Studio brokenrul.es aus Wien hat von “And yet it moves” sogar 700.000 Stück verkauft. Durch die geringen Spannen bei z.B. Humble Bundle bliebt dabei meistens aber nicht viel für die Entwickler über. Trotzdem ist die Computerspielbranche eine der wenigen wachsenden Branchen derzeit.

 

ZIB Magazin: Computer Spiel Boom from Florian Matscheko on Vimeo.

Neben der Möglichkeit mit der Erstellung von Computerspielen Geld zu verdienen gibt es auch noch die Möglichkeit mit dem Computerspielen an sich Geld zu verdienen, professionelles Gaming also. Besonders verbreitet sind dabei World of Warcraft und Starcraft. In den Turnieren geht es um bis zu 500.000$ Preisgeld – also ein gutes Geschäft, wenn mans denn kann.

 

ZIB Magazin: Professionelles Gaming from Florian Matscheko on Vimeo.



Auf der Flucht

Zwei Kugeln stecken in Quamarey Cismans Schädelknochen. Nur durch Zufall überlebt sie einen Angriff von Milizen in Somalia. Sie will eine sichere Zukunft für sich und ihre Kinder und flieht nach Europa.

Quamarey Cisman kommt aus Somalia. Ihr Stamm hat nur einen niedrigen sozialen Status. Immer wieder kommt es daher zu Überfällen auf ihr Dorf. Als ihre Familie keinen Besitz mehr hat, erschießen die Milizen erst ihre Mann, einen ihrer Söhne und dann – so glauben sie zumindest – auch sie. Nach zwei Tagen im Koma erwacht sie in der Blutlache ihres Mannes und beschließt nach Europa zu fliehen. Sie nimmt die überlebenden Kinder und bricht auf – ohne Proviant und ohne konkretes Ziel.

Quamarey Cisman

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Nach mehreren Etappen in klapprigen Autos und zu Fuß durch die Wüste, erreicht sie ausgezehrt die Küste Libyens. 2.800 Euro verlangen die Schlepper von Cisman für sie und ihre Kinder für die Überfahrt nach Europa auf einem Boot. Das Geld erarbeitet sie sich in mehreren Jahren in kleinen Restaurants und auf den Straßen Libyens.

Nachdem sie Schlepper gefunden hat, die sie nach Europa bringen, beginnt das Warten auf die Überfahrt. Jeden Abend müssen sie und 120 andere Flüchtlinge auf einem LKW durch die Nacht fahren, um eine Stelle zu finden an der sie unbehelligt von der örtlichen Polizei das Boot besteigen können.

Die Boote selbst sind viel zu klein für die Anzahl der Passagiere. Trinkwasser und Lebensmittel gibt es so gut wie nicht. Über 150 Menschen werden auf ein winziges Boot gepresst. Um ihre Kinder zu schützen, hält Quamarey Cisman sie über weite Strecken der Fahrt hoch. Eine Freundin verliert beim Einstieg ihre Kinder und kann diese nicht beschützen – sie werden zwischen den Menschenmassen erdrückt.

Flüchtlingsboot

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Nach 72 Stunden Überfahrt erreicht Quamarey Cisman erschöpft Süditalien – in Europa erhält sie subsidiären Schutz – darf also bleiben bis die Lage in Somalia wieder stabil ist.

Dass sie überhaupt in Europa ankommt, ist Glück. Viele der Boote erreichen ihr Ziel nicht. Sie geraten durch schlechtes Wetter in Seenot oder treiben aufgrund technischer Mängel manövrierunfähig auf dem Mittelmeer. Viele Flüchtlinge ertrinken oder verdursten, bevor sie die Küste Europas erreichen.

Quamarey Cisman ist kein Einzelfall – weltweit sind über 40 Millionen Menschen auf der Flucht. Mehr als die Hälfte davon in Afrika.

Flüchtlingszahlen

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Jährlich versuchen bis zu 45.000 Menschen über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Schätzungen zu Folge sind seit 1993 über 20.000 Menschen vor der Küste Italiens ertrunken. Erste Anlaufstelle für die Flüchtlinge ist unter anderem die süditalienische Insel Lampedusa. Bis zu 20.000 Flüchtlinge erreichen die Insel jährlich – Platz bieten die dort überhastet errichten Flüchtlingslager für gerade einmal 400 Menschen. Zu Spitzenzeiten während des Arabischen Frühlings hielten sich dort 6.000 Menschen auf.

Ähnlich ist die Lage in Griechenland im Flüchtlingslager Amygdaleza in der Nähe von Athen. Bis zu 1.000 Flüchtlinge leben dort hinter Stacheldraht auf engstem Raum. Liegt für die Flüchtlinge kein Asylgrund vor, werden sie von dort direkt abgeschoben. Ist eine Abschiebung nicht möglich, werden sie nach 18 Monaten mit etwas Bargeld auf die Straße gesetzt – nur um von der Polizei wenig später wieder aufgegriffen zu werden.

Flüchtlingslager in Griechenland

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Eines eint die Flüchtlinge in Italien und Griechenland – sie wollen den Süden Europas möglichst schnell verlassen. Viele riskieren auch dabei ihr Leben. In Patras – dem Hafen Athens – springen verzweifelte Flüchtlinge auf fahrende LKWs und versuchen so das Land zu verlassen.

Veröffentlicht unter http://fm4.orf.at/stories/1738291/



Oliver N., Jihadist

Rund 150 Österreicher waren laut offiziellen Angaben in Syrien, um sich dem Islamischen Staat anzuschließen. 60 von ihnen sind laut Innenministerium bereits zurückgekehrt, zumindest 30 sind getötet worden.

Die Anwerbung der meist jugendlichen Kämpfer erfolgt oft über das Internet. In sozialen Netzwerken werden Bilder, Videos aber auch Erfahrungen aus dem Kriegsgebiet in Syrien gepostet. Diese Beiträge ermöglichen einen Einblick in das Leben der jungen Jihadisten.

Wir haben uns das Profil eines besonders mitteilungsfreudigen Kämpfer des IS angesehen und können so seine Geschichte, basierend auf seinen eigenen Angaben erzählen.

Abu Muktail Al Almani ist Kämpfer des IS in Syrien. In Videos droht er seiner ehemaligen Heimat Österreich. Die “Gläubigen” sollen die “Ungläubigen” abschlachten um zu Ehre zu gelangen – so die Forderung. Im bürgerlichen Namen heißt er Oliver N.

Ein Porträt, basierend auf den Angaben in sozialen Netzen

Oliver wurde vor rund 16 Jahren in Österreich, in Linz geboren. Oliver wächst bei seiner Mutter und seinem Stiefvater auf. Nach der Schule beginnt er eine Lehre und arbeitet nebenher in einem Wiener Fitnessstudio. Im Mai 2014 konvertiert er zum Islam. Von da an verändert sich sein Leben. Oliver liest viel im Koran und online über seine Religion und findet neue Freunde.

Bereits drei Monate nach seiner Konvertierung beschließt Oliver, Österreich zu verlassen und sich in Syrien der Terrormiliz IS anzuschließen. Er packt seinen Koffer und fliegt nach Istanbul. Dortverbringt er in einem billigen Hotel drei Nächte bevor er in die Südtürkei aufbricht. Mit dem Flugzeug fliegt er an die syrischen Grenze undüberquert diese dann zu Fuß, in einem Maisfeld.

Auf der anderen Seite der Grenze wird er von IS-Sympathisanten erwartet. Sein neues Leben im Islamischen Staat beginnt. Er legt seinen bürgerlichen Namen, Oliver, ab und heißt ab sofort Abu Muktail Al Almani.

Oliver auf ask.fm

ask.fm

Der Name bedeute soviel wie “der aus Deutschland stammende”, er bezieht sich in einem selbst gewählten Namen auf seine Kindheit in Deutschland. Er sagt über sich selbst, dass er sich deutsch fühle, Österreich für ihn nur ein Wohnort gewesen sei. Ab sofort ist er ab Mitglied des Islamischen Staates, es ist Ende August, das Wetter ist gut – sagt er zumindest auf dem sozialen Netzwerk ask.fm.

Oliver zieht gemeinsam mit philippinischen Jihadisten in ein Haus.Westlicher Standard ist das Haus zwar nicht, verfügt aber über WLAN. Via Internet gibt er seinen ehemaligen Klassenkameraden Bescheid, dass er jetzt in Syrien sei um seine Religion zu leben. Garniert sind die Grüße aus dem Islamischen Staat mit einigen Drohungen an die “Ungläubigen” in Österreich. Sein neues Leben unterscheidet sich zu Beginn nicht sehr von seinem Leben in Österreich: Zum Frühstück gibt es Nutella, normales Waschmittel, Deo und Duschgel sind im Supermarkt zu beziehen. Auch um Geld muss er sich keine Sorgen machen vom Islamischen Staat bekommt er ein kleines Taschengeld von 150$ im Monat.

Nach einigen Tagen muss Oliver zur Grundausbildung an der Waffe. Für diese Zeit muss Oliver sein Handy abgeben, zu seiner eigenen Sicherheit, wie er auf ask.fm sagt.

Zurück aus dem Trainingslager kehrt Oliver in sein „altes“ Haus zurück und trifft sich in seiner reichlich vorhanden Freizeit mit einem anderen Österreicher, Firas. Der 19-Jährige ist bereits seit über einem Jahr in Syrien. Gemeinsam trinken sie Softdrinks und fahren Motorrad. In Liebesdingen ist Oliver in seiner neuen Heimat auf der Suche, verheiratet ist er noch nicht, eine Verlobung ist auch noch nicht in Aussicht. Hätte er dennoch einmal Lust auf Zweisamkeit könnte er sich im Kalifat am Markt bei den Sklavinnen bedienen. Sex außerhalb der Ehe ist mit Sklavinnen nämlich im Gottesstaat nicht verboten. Durch Eroberung von Kurdengebieten sorgt der IS auch für regelmäßigen Nachschub für die Sklavenmärkte.

Aber Oliver ist auf der Suche nach einer züchtigen Frau, die sich um seinen Haushalt kümmert und ihm Kinder schenkt. Ein Einstandsgeschenk hat er bereits besorgt, eine Pistole. Oliver ist nicht unbedingt auf der Suchenach einer Frau aus Syrien oder dem Irak, es kann auch eine Frau aus Europa sein. Diese würde er von der Grenze abholen – mit einem Pferd – als Symbol der Achtung vor ihrer Beziehung. Sobald Oliver seine Familie gründet, kann er vom Islamischen Staat eine Art Familienbeihilfe von 1500$ beantragen. So sorgt der IS dafür, die Bevölkerung hinter sich zu haben, denn ohne Bevölkerung kein Staat. Sollte dennoch jemand in den IS-kontrollierten Gebieten sich nicht an die Gesetze der Scharia halten, wird auch nach der Scharia bestraft, Steinigungen, Erschießungen und Enthauptungen sind die drohenden Strafen. Selbst gesehen hat Oliver diese Bestrafungen allerdings noch nicht, verpassen möchte er das allerdings nicht.

Mitte September verletzt Oliver sich am Fuß und kann so eine Weile nicht ordentlich gehen. Kampfhandlungen fallen in dieser Zeit für ihn aus.Generell war er noch nicht in sehr viele Kampfhandlungen verwickelt. Die Teilnahme an diesen ist in den meisten Fällen freiwillig, sollte es aber zu größeren Angriffen kommen ist auch eine Verpflichtung denkbar.

Anfang Oktober ist Oliver noch immer nicht ganz fit, kann aber für ein Propagandavideo des IS posieren. Im Video fordert er seine Brüder im Glauben auf, die Kuffar (=”Ungläubigen”) wie die Schafe zu schlachten, eine Drohung, die sich auch an sein ehemaliges Heimatland Österreich richtet. Ehemalige Mitschüler erkennen ihn in dem Video. Mit einem Schlag ist Oliver berühmt – zumindest in Österreich. Auch seine Mutter erfährt erst durch dass Drohvideo, dass ihr Sohn in den so genannten Jihad gezogen ist.

Oliver auf ask.fm

ask.fm

Kontakt hält Oliver weiterhin über Handy und Internet – Angst davor, für den Anschluss an eine terroristische Organisation bestraft zu werden hat er nicht. Schließlich ist eine Rückkehr nicht geplant – zumindest nicht in das bestehende Österreich – wenn er zurückkommt, will er das nur in ein Kalifat.

Seit rund einer Woche ist Oliver offline. Seine Profile wurden gesperrt, neue sind noch nicht aufgetaucht. Das ist seine Geschichte bisher, so wie er sie auf ask.fm allen, die ihm zuhören, erzählt.

 

Veröffentlicht unter http://fm4.orf.at/stories/1748652/



DOKeins – Die Kinder des Kalifats – Was Jugendliche zum IS treibt.

Zwei Mädchen aus Wien, die nach Syrien ausgerissen sind, ein 16-Jähriger, der von dort Drohvideos verbreitet und nun ein 14-Jähriger in St. Pölten, der angeblich Anschläge geplant hat: Es werden immer mehr Beispiele von Jugendlichen bekannt, die sich in den Dienst der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) stellen. Ersten Kontakt mit den oft grausamen Taten des IS haben junge Menschen in Sozialen Netzwerken – nach ORF-Recherchen sind es knapp 2.000 Menschen hierzulande, die offen die Ideen des IS teilen.

Auf Facebook, Ask.fm und Instagram werden Bilder, Erfahrungen und Videos von Kämpfern und Sympathisanten geteilt. Laut der ORF-Doku „Kinder des Kalifats. IS- Rekrutierung in Österreich“ sympathisieren hierzulande 1.963 Menschen mit den Ideen des Islamischen Staates offen in Sozialen Netzwerken und verbreiten dort teils aktiv dessen Propaganda.

Foto eines IS-Sympathisanten mit IS-Fahne

ORF

Heldeninszenierung via Facebook und Co.

Freundeskreise in kleineren Städten

Soweit sich das in den Onlineprofilen eruieren ließ, sind die Ballungszentren der Sympathisanten wenig überraschend Wien (221), Graz (123), Linz (83) und Salzburg (63). Aber auch kleinere Städte wie Wels (51), Steyr (58) oder Kapfenberg (54) haben große Communitys von terrorbegeisterten Jugendlichen.

Die Gruppen in den kleineren Städten sind meist auf einzelne Freundeskreise zurückzuführen – man kennt einander also in der Szene. In den großen Städten ist die Vernetzung weniger auf einzelne Freundeskreise zurückzuführen, viele der Sympathisanten kennen einander nur über die Sozialen Netzwerke.

Österreich-Karte mit Verteilung der IS-Sympathisanten

ORF

Ballungszentren der IS-Sympathisanten

Wie recherchiert wurde

Ausgangspunkt der Recherche mit Graph Search auf Facebook waren Profile von Menschen, die früher in Österreich gelebt haben und jetzt in Syrien offensichtlich für IS kämpfen. In deren Freundes- und Freundesfreundelisten wurde nach in Österreich lebenden Usern gesucht, deren Profile entsprechende Merkmale über Interessen und Likes aufwiesen. Zudem wurden auch nicht vernetzte Einzelpersonen eruiert, die mit Kommentaren und Likes Sympathien für IS demonstrierten.

Kriegserfahrung prägt

Rund knapp bei der Hälfte waren auch Rückschlüsse auf die Herkunft möglich: Während nur ein relativ kleiner Prozentsatz davon aus Österreich und Deutschland stammt, hat fast die Hälfte laut eigenen Angaben einen tschetschenischen Hintergrund. Mehr als ein Viertel stammt demnach aus den ehemaligen Bürgerkriegsstaaten am Balkan, aus Serbien, Bosnien, Mazedonien und dem Kosovo.

Damit handelt es sich also vor allem um Menschen, die aus ihrer Heimat bereits Krieg und Vertreibung kennen. Tarafa Baghajati, Obmann der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen (IMÖ) erklärt, wieso gerade sie anfällig für die Propaganda des IS sind: „Sie haben keinen Rückhalt, um Fragen zu diesem komplizierten Thema zu stellen. Meistens sind die Eltern auch einfache Leute, die dieser Herausforderung nicht gewachsen sind und die Fragen nicht beantworten können.“

Guido Steinberg, Islamwissenschaftler aus Berlin, wiederum meint, IS ziehe Jugendliche an, indem man ihnen verspreche, in einem islamischen Staat zu leben, der in etwa so aussieht, wie sie es sich vorstellen, dass der Prophet im 7. Jahrhundert mit seinen Gefährten gelebt hat.

Video kann nicht geladen werden

Auch Mädchen als Zielgruppe

Primäre Zielgruppe der Propaganda sind junge, sozial schlechter gestellte Männer. Aber auch immer öfter werden gezielt Frauen angeworben. Auch spezielle Partnerbörsen für Frauen, die auf der Suche nach einem radikalislamischen Kämpfer sind, wurden mittlerweile eingerichtet.

Die Frauen, die sich für eine Auswanderung entscheiden, erwartet dort ein Leben in Totalverschleierung und als Anhängsel des kämpfenden Mannes. Ein englischsprachiges Blog berichtet etwa über die „Vorzüge“ dieses Lebens. Es wir zum Beispiel geschildert, welche Kleidung man aus dem Westen mitbringen solle, da manche Kleidungsstücke nicht dem gewohnten Standard entsprechen.

„Fragestunden“ via Web

Neben Facebook ist für die jungen Dschihadisten auch die Frageplattform Ask.fm ein zentrales Medium. Hier können Fragen an bereits in Syrien lebende Kämpfer des IS gestellt werden. Unter ihnen ist auch der Österreicher Oliver N.

Bis noch vor einer Woche hat er auf der Plattform noch alle Fragen der User beantwortet. Neben Tipps für die Reiseroute oder das Reisegepäck finden sich hier auch erschreckende Erzählungen über den Umgang des IS mit „Sklavinnen“ und „Andersgläubigen“. Seit gut einer Woche ist sein Profil nicht mehr erreichbar – doch es darf bezweifelt werden, dass es für immer verschwunden ist.

Grafische Arbeit eines IS-Sympathisanten

ORF

Gräuelbilder und Comic – eine eigene Ästhetik des Terrors

Löschen hilft nur kurzfristig

Die Betreiber von Sozialen Netzwerken löschen zwar regelmäßig Accounts, allerdings sind sie aufgrund der Masse der Nutzer und Inhalte machtlos. Wird ein Video gelöscht, taucht es an anderer Stelle mit anderem Titel wenig später wieder auf. Bei persönlichen Accounts verhält es sich ähnlich, wird ein Account gelöscht, erscheint er wenig später mit leicht variiertem Namen wieder. Rechtlich ist das Verbreiten von Symbolen des IS in Österreich legal – somit gibt es auch auf diesem Weg keine Handhabe.

Logos, Videos, eigene Drohungen

Die aus Sozialen Netzwerken verbreiteten Inhalte reichen hier von den Logos des Islamischen Staates über Bilder von Kämpfern der Terrororganisation bis hin zu brutalen Videos von Erschießungen und Enthauptungen. Angereichert werden die Bilder oft um eigene Drohungen oder Botschaften.

Festgestellt werden konnten unterschiedliche „Radikalisierungsthemen“. Am häufigsten wird gegen Kurden, Jesiden und Christen gehetzt. An zweiter Stelle steht der Konflikt Israel – Palästina. Und schließlich tauchen auch Parolen gegen die USA, den Westen allgemein und gegen Russland auf.

Postings von IS-Sympathisanten in einem Sozialem Netzwerk

Facebook

Hetze via Facebook

Provokation in der Gruppe

Nicht jede dieser Drohungen führe sofort zu einer Tat. Doch was die Jugendlichen sagen, müsse man aber in jedem Fall ernst nehmen, meinte Martin Dworak vom Verein Back Bone in Wien. Problematische Äußerungen seien manchmal auch nur in einer Gruppensituation zu sehen, um „die eigenen Positionen abzusetzen und zu zeigen, ich bin der Lauteste oder der Coolste in der Gruppe“.

Den Jugendlichen sei dabei nicht bewusst, dass es von der Öffentlichkeit oder vom Verfassungsschutz mitgelesen werden kann. Auch die daraus erfolgenden Konsequenzen könnten von den Jugendlichen als reale Diskriminierungen erlebt werden. In der Folge seien sie „vielleicht sogar offener für eine Radikalisierung“, so Dworak. Deswegen sei es enorm wichtig, genau hinzusehen und zu ergründen, was hinter den Provokationen steht.

(Text veröffentlich auf orf.at unter http://orf.at/stories/2251608/2251632/)

 

DOKeins – die Kinder des Kalifats from Florian Matscheko on Vimeo.



wahlfahrt.orf.at Videozusammenfassung

Um Menschen die Seite wahlfahrt.orf.at möglichst kurz näher zu bringen haben wir ein kleines Video gestaltet.



Vergnügngspark Bakken in Kopenhagen

Im Rahmen der Wahlfahrt waren wir auch in Kopenhagen, der zentrale Vergnügungspark der Stadt (Tivoli) hatte zwar noch geschlossen geöffnet war aber der etwas außerhalb gelegene Bakken.

 



Wahlfahrt EU – 2014 – Multimedia – Wie wirds gemacht?

Zur Erinnerung die “Wahlfahrt” war ein Format von ORFeins in dem Hanno Settele mit Politikern in einem (alten) Auto (Mercedes 280S BJ 1978) durch Österreich fährt und dabei beiläufig über Politik und alle anderen wichtigen Dinge plaudert. Unterlegt mit großartiger Musik ein sensationeller Erfolg für den ORF.

Da Wahlen ja periodisch immer wieder kehren gibts auch 2014 die Chance eine Wahlfahrt zu produzieren und zwar für die EU-Wahl Ende Mai.

Was bleibt? Was kommt?

Bewährtes und erfolgreiches soll man ja bekanntlich nicht ändern, deshalb bleiben die Grundbestandteile der Sendung auch bestehen, Hanno Settele fährt in einem Auto (DEM Auto – Mercedes 280S) mit Politikern durchs Land und plaudert. Unterschied zum letzten Mal es fahren keine Österreichischen Gäste mit sondern International, daher ist auch die Route etwas internationaler. Kosice – Frankfurt – Luxemburg – Strassburg – Athen – Kopenhagen – Mulhouse – Stuttgart ist die diesjährige Route – eine Herausforderung für das Alte Auto. Neu ist nicht nur die Route sondern auch dass Hanno Settele mit den Mitfahrenden wichtige oder interessante Orte besichtigt.

Dramaturgisch ist das Format als dreiteiliger Film zu verstehen. In den drei Folgen werden drei unterschiedliche Themenblöcke behandelt. Zusätzlich wird die Sendung von einem Online-Format begleitet dass diese Dreiteilung ebenfalls übernimmt.

Das Auto

Ebenfalls bleibt der Mercedes. Ein 280S aus 1978, früher im Besitz der russischen Botschaft heute im Besitz des ORF – neben einigen Tücken hat der Mercedes auch etwas was sehr ORF spezifisches.

Der Mercedes hat 180PS und interessanterweise nur 4 Gänge. Bei hohem Drehmoment ist das aber kein Problem hört man.

gange

Der Mercedes hat keine gute Ausstattung, für die Wahlfahrt 1, die im Sommer stattfand wurde eine Klimaanlage für die Fahrgastzelle und eine für die Technik im Kofferraum nachgerüstet. Ausgestattet ist das Auto mit bis zu 12 Kameras, 3 davon sind fix am Amaturenbrett installiert und dienen als Hauptkameras. Die Köpfe der Kameras sind von Panasonic (AG HCK 10) – aufgezeichnet wird das Material auf Sony XDCAM HD PDW 700 Camcordern die über SDI angesteuert werden. Außenaufnahmen und Detailaufnahmen Innen werden mit Actionkameras von Drift aufgezeichnet, zum einen weil sie eine lange Akkulaufzeit haben und zum anderen weil sie per WLan überwachbar sind.

Synchron gehalten wird das Material mit Hilfe einer Lockit Timecode Funkstrecke sowie einer Lockit Timecode Klappe. Auch die Drehkameras werden so mit dem Timecode synchronisiert.

Dreh

Der Fernsehinhalt wird auf 2 Sony PDW F800 gedreht, sowie einige Bilder mit einer 5D Mk iii, der Ton wird außerhalb des Autos auf Grund der Flexibilität in den meisten Fällen geangelt. Aufgelöst werden die Szenen sehr Nah, beide Kameras drehen hier Nahe, so kann es auch dazu kommen dass man im Schnitt auf Grund der Bewegung der Protagonisten Achsensprüngen nicht entkommt.

Kameramann Michael Ferk erklärt in diesem kurzen Video die besondere Herausforderung des Formates in unserem Making Of:

 

Wie im Video bereits angesprochen wurde größtenteils mit langer Brennweite gedreht, daher ist das Bild, trotz Bildstabilisatoren für ein Talkformat überraschend unruhig.

Insgesamt gab es in der Produktion 18 Drehtage mit insgesamt ca. 300 Stunden Material. Das Material wurde dem ORF Hausworkflow entsprechend zuerst vom digitalen Ingest von den Professional Discs und von Festplatte eingespielt und im Anschluss in unserem PCMS gesichtet bevor das Material an den Final Cut Pro Schnittplatz übergeben wird.

 

Schnitt

Die Sendung für das Fernsehen wurde im Ganzen auf Final Cut Pro geschnitten.

Größte Schwierigkeit beim Schnitt für die TV-Sendung ist die riesige Menge an HD-Material, 5 – 7 Kameras zeichnen die komplette Fahrt auf, dazu kommen noch zwei Kameras die die “Außenszenen” drehen – das macht in Summe ca. 20TB Rohmaterial. Damit kann Final Cut Pro (nicht in der X Variante) scheinbar nicht wirklich umgehen und neigt zu permanenten Abstürzen und ewigen Ladezeiten.

Der Videocontent für den Online Bereich wurde fast zur Gänze in Premiere Pro und After Effects produziert, da es hier wesentlich einfacher ist Infographiken zu gestalten und einzufügen. Als Codec setzen wir hier um kompatibel zum Final Cut Workflow zu bleiben auf ProRes 422 (HQ). Wichtig war bei der großen Menge an Onlineclips eine Art einheitliche Bildsprache zu entwickeln. Da wir auf gänzlich unterschiedliche Quellen – Archiv SD, Archiv HD und Eigendreh HD – zurückgreifen kommt die Bildästhetik gänzlich unterschiedlich daher. Um trotzdem einen einheitlichen Auftritt zu erhalten wurde eine grafische Verpackung für alle Beiträge geschaffen die sich über eingeblendete Titel, Trenner und Schlusssequenzen erstreckt.

 

Inhaltlich drehen sich die Beiträge von “Behind the scenes” Material über historische Beiträge aus dem Archiv bis hin zu kleinen, extra für das Online-Format produzierten Reportagen aus z.B. dem Flüchtlingscamp in Athen (siehe oben) oder die Frauenschmiede in Kopenhagen (nachfolgend).

Zusätzlich zu den gedrehten Beiträgen wurden auch noch kleine Animationen produziert um z.B. Vorurteile zu symbolisieren. Farblich und stilistisch haben wir uns dabei an die Sendungs CI gehalten.

Auf alle Fälle ist das Ergebnis wirklich großartig und gibts in der TVthek zu sehen.

Neu: Online als Datengrundlage für die TV-Wahlfahrt

Der Online-Inhalt ist in Form von drei einseitigen Scrollingpages gelöst. Inhaltlich hängt die Webpage weniger an den persönlichen Geschichten der Kandidaten sondern vielmehr an Daten die in der Sendung keinen Platz finden – ist also als ein Datenjournalistisches Projekt zu verstehen. Die dafür notwendigen Daten wurden aus Statistiken der Eurostat, sowie aus nationalen Statistikinstituten gewonnen und über Infografiken und Videos aufbereitet.

Die Geschichten die erzählt werden halten sich im wesentlichen an die drei Themenblöcke des TV-Formates nämlich: Geld – Migration / Integration – Geschichte / Struktur. Der Erzähler Online ist nicht die Off-Stimme wie im TV-Format sondern Hanno Settele.

Als ersten Schritt haben wir das Grundgerüst der Geschichte verschriftlicht.

Die Grundlage für die visuelle Geschichte haben wir wie im Fernsehen üblich als Storyboard umgesetzt um ein Gefühl zu bekommen wie man die Menge an Daten visualisieren kann.

Anschließend wurden die groben Geschichten mit Daten befüllt und diese visualisiert. Die Darstellung im Web basiert im wesentlichen auf After Effects Animationen die als .png Sequenzen exportiert wurden und durchscrollbar sind. Die Visualisierung der Daten geschieht mit interaktiven Karten die in HTML5 umgesetzt wurden. Für die Responsive Umsetzung haben wir auf Skeleton zurückgegriffen und das Streaming wurde von unserer hauseigenen Streamingplattform (der TVthek) übernommen, für die Steuerung des Streamingservers kommt ein vorgefertigtes Skript der ORF-On zum Einsatz.

Als grundlegende Items haben wir uns für fünf große Elemente entschieden:

  1. Timelines
  2. Interaktive Landkarten
  3. Netzwerkgrafiken
  4. Videos
  5. Infografiken

Nächster Schritt waren die ersten Versuche der grafischen Umsetzung, wie man sieht war hier der Weg vom ersten Entwurf, über die Korrektur bis hin zum finalen Layout ein recht weiter.

Im nächsten Schritt wurden die Geschichten geplant um ein Gefühl zu bekommen wie groß der Aufwand ist um an die notwendigen Daten zu kommen. Dazu wurden europaweit ca. 500 Datenbanken angezapft. Die Daten wurden dann um die Seite standalone anbieten zu können downgeloadet und von Programmieren in interaktive Infografiken verpackt. Eine Auswahl der Grafiken gibs hier:


Um nun diese Infografiken nicht für sich alleine stehen zu lassen wurden die Informationen in größere Geschichten verpackt. Die grundlegende Idee war diese Geschichten über Scrolling Pages zu erzählen. Der Look wurde angelehnt an den von Christian Stangl gestalteten Opener der Wahlfahrt.

Um einen filmischen Effekt zu erhalten haben wir uns entschieden den Hintergrund als durchscrollbare PNG Sequenz zu gestalten. Die dafür notwendigen Videos wurden in Adobe After Effects animiert und als PNG Sequenz exportiert. Ein Kapitel Online hat dabei ca. 200 Frames und damit eine Größe von ungefähr 30 MB. Da dies natürlich zu relativ langen Preload Zeiten führt haben wir uns entschieden – den ersten Teil der Seite – ein zum Thema passendes Zitat plus einen Teil der OnAir Signation automatisch zu durchscrollen um die Ladezeit etwas zu “verbergen”.

Einen kleinen Einblick in die Arbeit gibt es hier:

Die ganze Seite steht noch bis zur EU-Wahl unter http://wahlfahrt.orf.at online.

Ein großes Dankeschön für die gigantische Arbeit an die freundlichen Menschen der Drahtwarenhandlung (die gerüchteweise auch super kochen).



Kurzdokumentation über Flüchtlinge im Mittelmeerraum

Als quasi Abfallprodukt zur Wahlfahrt haben wir eine kleine Doku produziert in der wir anhand einer Protagonisten den Weg von Flüchtlingen von Afrika nach Europa erzählen. Sendeplatz war um 00:20 auf ORFeins, erreicht wurden mit der Sendung 91.000 Menschen bei 18% Kasat Marktanteil.



Flüchtlingscamp Amigdalesa / Athen

Im Rahmen der Wahlfahrt sind wir in der Nähe von Athen in das Flüchtlingscamp Amigdalesa gefahren – die Eindrücke von dort gibts hier:



ORF Wahlfahrt – Postkarten aus der EU



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