360° Videos – Technik, Storytelling und Outlook

360° Videos oder auch Virtual Reality werden prinzipiell oft vermischt. 360° Videos bilden die Grundlage für das Erlebnis von AR (Augmented Reality – Angereicherte Realbilder) und im Grunde auch die Basis für VR (Virtual Reality, also komplett im Computer generierte Bilder). Neu ist diese Technik nicht, schon seit über 30 Jahren wird versucht den Menschen komplett in eine virtuelle Realität eintauchen zu lassen. Besonders im Gaming Bereich war die Technik früh beliebt aber nie so richtig erfolgreich, bestes Beispiel ist der Virtual Boy von Nintendo.

Durchgesetzt hat sich diese Technologie aber erst so richtig vor gut einem Jahr, auch durch die Implementierung des 360° Players auf Youtube. Mittlerweile kommen jeden Tag hunderte, wenn nicht tausende 360° Videos auf Youtube hinzu. Das ist eine (immer wieder aktualisierte) Zusammenfassung von dem wie wir im ORF derzeit mit 360° Technik umgehen.

Make the pictures

Grundlegende Frage: Wie macht man ein 360° Bild? Man braucht entweder eine Linse die komplette 360° abdeckt oder man braucht mehrere Linsen die man nachträglich zu einem 360° Bild zusammensetzt. Die Linsen die komplette 360° abdecken realisieren dies derzeit mit Spiegeln bzw. nur mit extrem starker Verzerrung – daher war für uns die Lösung mit mehreren Linsen die Bessere. Auf der mehrere Linsenfront gibt es dann auch wieder mehrere Zugänge es gibt Kameras die sofort ein fertiges Bild zusammensetzen und damit ein „fertiges“ 360° Bild auf die Speicherkarte schreiben. Dazu gibt es am Markt im wesentlichen zwei Lösungen, eine von Ricoh mit dem Namen Theta. Das Produkt ist eher auf Consumer ausgelegt und liefert nicht wahnsinnig berauschende Qualität wie man hier sieht.

Zweite Möglichkeit ist die Ozo von Nokia – eine professionelle Kamera die per SDI live und in 4k fertig „gestitchte“ Bilder ausgeben kann, bzw. können soll. Das Problem ist: Bis jetzt hat noch niemand die Kamera gesehen, auch Testmaterial ist sehr sehr rar gesät. Und zusätzlich dürfte die Kamera nicht ganz billig werden: 60.000$ sind derzeit angepeilt.

Also: Die Nokiakamera wäre für unsere Zwecke (professionelle Produktion, integriert in größere Produktionsumgebung) perfekt geeignet. Problem: sie ist (noch) nicht verfügbar und für Tests ist der Preis auch schlicht und ergreifend zu hoch – daher haben wir uns für die zweite Lösung entschieden – nämlich seperat aufzeichnende Kameras, deren Bilder im Nachhinein zusammengesetzt (gestitcht) werden müssen.

Grundlage dieser Technik sind meist kleine mit 3D-Druckern gedruckte Würfel in die zu meist GoPros eingesetzt werden. Das macht diese Lösung recht günstig. Ein Rig aus so einem Würfel und 6 GoPros ist für ca. 3500 Euro zu haben. Eine Alternative dazu sind 2-Kamera Rigs, bestehend aus 2 GoPros mit einer Backbone-Umrüstung und 250° Weitwinkellinsen. Preislich liegt dieses System ebenfalls bei rund 3000 Euro. Wir haben beide System angesehen und eingehend getestet.

Freedom 360 Explorer Rig mit 6 Gopro Hero 4.
Freedom 360 Explorer Rig mit 6 Gopro Hero 4.

Das erste Gerät mit dem wir gearbeitet haben war das Freedom 360 Explorer Rig vom amerikanischen Hersteller Freedom360 – das Rig ist im wesentlichen ein 3D gedruckter Würfel mit eingesetzten Gewinden an allen Ecken sowie einem Gewinde in der Mitte damit das Gerät auch mit 5 GoPros anstatt mit 6 betrieben werden kann. Um die Kameras im Rig zu halten werden die Unterwassergehäuse der GoPros eingesetzt, das ermöglicht ein relativ einfaches tauschen der Akkus, macht aber einen Betrieb mit externen Stromquellen defacto unmöglich und zusätzlich überhitzen Akkus und GoPro in ihren kleinen Plastikgehäusen so auch noch sehr leicht. Eine Aufzeichnung von über 40 Minuten ist so nur schwer möglich. Da wir auch in Erwägung gezogen haben längere Events mit den Kameras zu featuren haben wir zusätzlich noch das „klassische“ Freedom 360 Rig getestet.

Freedom 360 mit 6 GoPros.
Freedom 360 mit 6 GoPros.

Durch das Wegfallen der Plastikgehäuse können die GoPros so mit externer Stromversorgung und ohne Akkus betrieben werden – Überhitzung stellt so kein Problem mehr da – jedoch sind die Kameras so auch nicht mehr vor leichtem Regen geschützt und daher nur bedingt für Außenanwendungen tauglich. Generell ist die Technologie für permanente Aufzeichnungen nicht wahnsinnig gut geeignet – mehr dazu später bei der Nachbearbeitung.

Die externe Stromversorgung für die Kameras erfolgt über Powerbanks mit 30.000 mAh, hier liefern zwei knapp 8 Stunden Strom für die 6 Kameras also mehr als ausreichend um die Speicherkarten (max 64 GB zu füllen. Bei den Settings gibt es in Wirklichkeit nur eine optimale Einstellung, diese ist 2.7k 4:3 mit 30fps. Dies hängt vor allem mit dem hochauflösenden 4:3 Bildern zusammen die maximal viel Bildinformation bieten um der Software in der Postproduktion möglichst viel Spielraum zu geben.

Stichwort Postproduktion: Dafür braucht es spezielle Stitchingsoftware, die die 6 getrennten Bilder zusammensetzt. Es gibt zwar auch Möglichkeiten dies über After Effects zu lösen so richtig gut funktioniert das aber unserer Erfahrung nach nicht. Für Stitching Software gibt es zwei konkurrierende große Unternehmen zum einen „Video-Stitch“ mit dem „Video-Stitch Studio“ und zum anderen von „Autopano“ das Programm „Autopano Video Pro“ – getestet haben wir beide und im Prinzip funktionieren beide auch auf die gleiche Art und Weise, man syncht mit Hilfe von Ton oder Bewegung die 6 Einzelclips, stitcht sie, behebt leichte Fehler und rendert das Ganze. Wir haben uns nach Tests aus persönlichen Befindlichkeiten und leichten Geschwindigkeitsvorteilen für Autopano Video entschieden und unseren Workflow darauf ausgerichtet.

Stichwort Workflow: Man sammelt echt viele Daten – damit muss man sich zu Recht finden. Für unser Test-Setup für den ORF-Sport haben wir ein komplettes Länderspiel mitgeschnitten mit insgesamt 3 360° Kameras, in Summe also 18 GoPros. Resultierende Dateimenge: 700 GB. Das ist für eine 2 Stunden Aufzeichnung schon recht viel. Besonders wenn man bedenkt dass am Ende nur ein 3 Minuten Clip überbleiben wird. Zusätzliches Problem: GoPros erzeugen alle 4GB ein neues Files das heißt ich kann ein Spiel nicht direkt aus 6 Files zusammensetzen die ich ansonsten pro Kamera erzeugen würde, sondern muss mir erst die 6 Ausgangsfiles erzeugen. Unsere Lösung: Wir setzen die Files zuvor mit Premiere Pro zusammen und erzeugen so pro 360° Kamera 6 einzelne Files. Dabei reduzieren sich die Files von über 100 auf 18 – schon eine großere Erleichterung. Zeitverlust dabei: ca. 4 Stunden. Nächster Schritt: Synchronisierung der Files und Stitching der Files – alles dank Software kein Problem. Abschließender Schritt: das Rendern – und das dauert. Ein 2 Stundenfile braucht auf unserem Setup (Mac Mini mit Echonet Express Gehäuse mit einer GTX960) rund 13 Stunden Renderzeit. Rendern auf dem Prozessor kann man in diesem Zusammenhang vergessen und wer nur auf eine integrierte Grafik zurückgreifen kann ist arm dran. Zum Vergleich die integrierte Iris Pro 5400 des Mac Minis aus 2015 schafft 1 Frame in der Sekunde und die GTX960 schafft 14 Frames. Investition in Grafik spart also Zeit und kostet nicht die Welt.

Die Nachbearbeitung und das Insertieren erledigen wir ganz klassisch mit After Effects und Premiere Pro. Wichtig ist es sich für die Inserts zuvor Verkrümmungstemplates anzulegen um zu wissen wie man die einzelnen Grafiken verzerren muss damit sie dann entzerrt dargestellt werden. Das ist zwar ein Trial and Error Job aber leicht erledigt. Abschließend muss man, sofern man die Files auf Youtube bzw. Facebook veröffentlichen will den Files noch einige Metadaten hinzufügen. Das geht mit einem kleinen Tool das Youtube selbst anbietet. Wichtig ist dabei nicht die 3D Option anzuhaken.

Und so sehen die Videos dann in Youtube bzw. in Facebook eingebettet aus. Was haben wir aus unseren Testdrehs gelernt?

  1. Kameras auf bewegten Gegenständen vor großen Farbflächen sorgen schnell für Stitchingfehler
  2. Bewegung im Bild is a Must
  3. GoPros fallen oft und gerne einfach aus

 

Make the pictures tell something

Was erzählen wir nun mit dieser Technologie? Der grundlegende Zugang ist es den Zusehern zu ermöglichen Räume, Orte und Events zu erleben die ansonsten oft nur von außen gesehen werden können. Dazu haben wir für orf.at/beingpresident den Zugang gewählt Orte zu zeigen die ansonsten nur bzw. auch der Präsident sehen kann und haben dazu die 360° Assets in längere text- oder videobasierte Geschichten verpackt. So haben wir dazu im General Aviation Terminal des Flughafen Wiens, in den Räumlichkeiten des Bundespräsidenten, in einem Militärhubschrauber, bei einer Sub Auspiciis Auszeichnung sowie in der Ehrenloge des Happelstadions gedreht. Hier dient 360° also als zusätzlicher Teil einer größeren Geschichte. Die andere Möglichkeit ist 360° als Stilmittel einzusetzen, das haben wir für den Radiosender FM4 getan und so eine Aufnahmesession in einem ihrer Studios abgebildet.

Ähnliche Aufgabenstellung für die ORF Sendung „Dancingstars“ – hierfür haben wir an einem Deckenstativ eine 360° Kamera montiert und die TänzerInnen bei den Generalproben gefilmt und so etwas Einblick in den Ablauf so einer Sendung geben können. Zu sehen gibt es das daraus entstandene Video hier. Worauf man beim Storytelling mit 360° achten muss ist die Technik nicht zum Selbstzweck verkommen zu lassen und sie so abzunützen. Genaue Planung der Geschichten und des Einsatzes ist also Grundvoraussetzung.

Make the pictures run

Der geschäftliche Erfolg blieb aus, auch wegen der noch mangelhaften Technik, zu niedrige Bildwiederholfrequenzen (von ca. 15Hz) und die mangelhafte Bildqualität. Erst in den letzten Jahren wurden hochauflösende, reaktive Headsets entwickelt die es optisch ermöglichen wirklich in die virtuelle Realität einzutauchen. Der derzeitige Stand der Technik ermöglicht es Bilder in 4k und 360° darzustellen. Ermöglicht wird dies durch WebGL. Grundsätzlich funktioniert das ganze so: Ein „flaches“ in sich verkrümmtes Video wird zu einer Kugel verkrümmt und man bewegt sich in dieser Kugel mit einer virtuellen Kamera und sieht so in alle Richtungen entzerrte Bilder. Klar dass diese Technologie Browsern einiges abverlangt daher funktioniert dies auch nur auf aktuelleren Browsern. Für das Playout der Files bieten sich im Kern zwei Möglichkeiten entweder man nutzt dafür Facebook bzw. Youtube oder man hostet die Videos selbst. Für uns (den ORF) ist Option 2 der Weg den wir gehen wollten deshalb haben wir uns auf die Suche nach fertigen Softwarelösungen gemacht die 360° Videos auf der eigenen Plattform ermöglichen. Klingt leicht ist es aber nicht, zum einen ist der Markt hier noch sehr sehr klein und zum anderen haben so gut wie alle Player damit zu kämpfen dass sie nicht auf allen Endgeräten funktionieren, mal wird WebGL nicht unterstützt (wie im Fall von vielen mobilen Browsern auf iOS) ein anderes Mal ist der Lag in der Bewegung zu groß oder es funktioniert einfach die Kommunikation mit dem Lagesensors des Handys nicht. Letzten Endes hat sich unsere Suche auf zwei Produkte eingeengt:

  1. KRPano
  2. VRview

Während KRPano ein Tool eines österreichischen Entwicklers ist, das seit 8 Jahren gewachsen ist, ist VRview das Tool von Google selbst für die Einbettung von 360° Videos auf der eigenen Site. Man sollte annehmen das Google Produkt würde das des österreichischen Entwicklers locker schlagen. Falsch gedacht – wirklich plattformunabhängig ist nur KRPano. Zwar auch mit einigen Einschränkungen aber voll funktionell. Also unsere Lösung ist: KRPano. Wie das ganze eingebunden aussieht kann man sich hier ansehen: http://orf.at/wahl/beingpresident/stories/2331047/

Live?

Live funktioniert prinzipiell in der selben Art und Weise wie der normale Vorgang – Softwarelösung für Live-Stitching ist allerdings nur eine einzige brauchbare auf dem Markt und zwar Vahana Live und diese ist nicht ganz billig – rund 2000€ muss man dafür auf den Tisch legen. Der technische Vorgang ist praktisch der gleiche wie oben in der Postproduktion beschrieben allerdings viel leistungshungriger da die Hardware alles in Echtzeit schaffen muss. Um die Bilder von den GoPros zu bekommen nutzen wir den HDMI Ausgang und schleifen die 6 Livefeeds über HDMI – USB Wandler in das System setzen es dort Live zusammen und geben den 4k Stream über unsere eigene Streamingumgebung (Stichwort: TVthek) wieder aus.

Fazit

Zusammengefasst kann man sagen dass 360° Videos eine neue Möglichkeit sind Nutzern und Sehern Zugang zu Räumen und Geschehnissen zu bieten die bisher nicht möglich waren und sehr selbstbestimmt sind. Für uns als Mediengestalter ist es wichtig dass wir die neue Technologie nicht aus eigener Begeisterung mit inhaltsleerem Content zu schnell abnutzen.

Zukunft

Der Markt für Hard- und Software für 360° entwickelt sich gerade erst und im Laufe des Frühjahrs/Sommers kommen einige neue Produkte die den Workflow stark vereinfachen werden und damit das Augenmerk wieder stärker auf Storytelling legen werden, besonders spannend scheint hier die bereits erwähnte Ozo von Nokia, von der man mittlerweile im Rahmen der NAB auch einen ersten Eindruck gewinnen konnte der Alles in Allem sehr gut war. Aber auch die Orah 4i oder das neue 360° Rig von GoPro sehen sehr vielversprechend aus.

|M|eins – Redesign

Wir haben vor rund 4 Monaten unser Webmagazin |M|eins und haben in dieser Zeit einiges über die Fehler in unserem grundlegend Design gelernt und versuchen diese nun Schritt für Schritt auszubügeln. Die Schlüsseländerungen aus unserer Sicht sind:

  1. Verbesserter Videoplayer: Unser Videoplayer derzeit ist relativ dumm, in Zukunft wird es möglich sein das Video direkt ohne Audio und mit Untertitel zu starten, und man wird auch selbst einen Startpunkt wählen können um das Video von genau dort aus zu teilen.
  2. Social Sharing Funktionen: Bisher konnte unsere Seite nur über einen einfachen Link geteilt werden, in Zukunft wird es möglich sein den zu teilenden Text selbst zu wählen und durch anklicken der entsprechenden Buttons direkt in das gewünschte Netzwerk zu sharen. Basis dafür ist eine selbst entwickelte Variante von „Highlight to share“.
  3. Inhaltsverzeichnis: Bisher hatte man wenig Übersicht wo man sich aktuell auf der Seite befindet in Zukunft wird man direkt in der neuen mitschwimmende Topleiste sehen wo man sich aktuell befindet und welche Teile des Textes noch bevorstehen.

|M|eins – die ersten drei Monate!

Unser Kind meins.orf.at ist jetzt etwas über drei Monate alt und wir haben langsam so etwas wie eine eigene Sprache gefunden. Wir haben es auch geschafft eine gewisse Menge an Menschen mit unserem Angebot zu erreichen – auf Facebook sind das jede Woche 500.000 Menschen und jede Ausgabe wird mittlerweile von rund 150.000 Menschen gesehen. Wir haben über 100 Videos für die Seite selbst und für Facebook produziert und damit über 1 Million Videoviews generiert.

Wir machen uns ein Web-Magazin!

Was ist es was wir Journalisten tun? Ganz egal ob beim Fernsehen, im Internet, im Radio – wir erzählen im wesentlichen Geschichten. Jedes Medium hat dabei eine eigene Sprache gefunden und perfektioniert. Eine verknüpfte Sprache die alle Medien übergreift gibt es dazu nicht – warum auch – es gibt doch schließlich kein verknüpfendes Medium. Und das hat auch seine Berechtigung und wird sie auch immer haben – jedes Medium hat spezielle Stärken die gezielt ausgenutzt werden. Unser Ziel war es ein Magazin zu entwickeln dass die Stärken der einzelnen Bereiche verbinden kann und nicht die bestehenden Medien ablöst – sondern eine sinnvolle, verknüpfende und ergänzende Funktion erfüllt.

Es hat ziemlich genau 14 Monate gedauert von der ersten Idee bis zur Umsetzung eines monothematischen, wöchentlichen Webangebotes für die ORFeins Fernsehinformation. Die Grundpfeiler der Idee sind zwei Gedanken:

1. Bauen wir uns eine Plattform auf der wir Themen im vollen Umfang zeigen können und uns nicht beschränken müssen auf die wenigen Sekunden die wir im Fernsehen zur Verfügung haben.

2. Erweitern wir unser (zugegebenermaßen oft niedrige) Quote sowie unsere Zielgruppe.

 

Ausgangslage

Klingt einfach ist es aber nicht ganz, da das Angebot für den ORF umgesetzt werden soll müssen wir uns dabei an spezielle Rahmenbedingungen des Gesetzgebers halten, dazu gehört unter anderem das Verbot von „speziellen Angeboten“ (§ 4f Abs. 2 ORF-G Fach- und Zielgruppenangebote, die in Form und Inhalt über ein nicht-spezialisiertes Angebot von allgemeinem Interesse hinausgehen, soweit es sich nicht um sendungsbegleitende Angebote handelt;) oder auch das Verbot von speziell für mobile Endgeräte gestaltete Angebote  (§ 4f Abs. 2 ORF-G eigens für mobile Endgeräte gestaltete Angebote). Wir beschränken uns also bei unserem Angebot auf ein „sendungsbegleitendes“ Angebot, das bedeutet, das Thema das wir online erzählen muss seinen Anker und Ursprung im Fernsehen haben und muss dazu ergänzend sein. Da wir im Nachrichtengeschäft sind ist das kein großes Problem.

Design

Das Webdesign des ORF ist vor allem eines: funktionell. Die „blaue Seite“ ist seit Jahren nahezu unverändert und vielleicht auch gerade deshalb so erfolgreich – der Nutzer erhält schnellen Zugriff auf aktuelle Informationen – nicht mehr aber vor allem auch nicht weniger. Und der Erfolg gibt dem Design der blauen Seite recht: fast die Hälfte der österreichischen Internet-Nutzer nutzen das Dachangebot von orf.at (Quelle: http://www.oewa.at/index.php?id=14654). Wir wollen in unserem Magazin keine schnelle Informationen anbieten (also nicht unser eigenes, extrem erfolgreiches Produkt kanibalisieren) sondern wir wollen eine Lücke schließen die derzeit weder das aktuelle ORF-Fernsehen noch orf.at erfüllt, nämlich Hintergründe zu den im Fernsehen gebotenen Informationen. Wir versuchen uns beim Design an die 10 Design Principles von Dieter Rams zu halten:

1. Gutes Design ist innovativ:

News-Seiten die nicht intuitiv sind werden nicht gelesen – simple fact – da unserer Seite genau eine Geschichte pro Woche beherbergt sind wir fundamental darauf angewiesen dass sich die Geschichte sofort mit dem laden der Seite „öffnet“ und erschließt. Weil wir Fernsehmenschen sind und damit an die Macht der Bilder glauben greifen wir auch hier auf diese „Macht“ zurück und setzen hier auf ein starkes Bild mit einer starken Headline – nicht mehr aber auch nicht weniger.

2. Gutes Design macht ein Produkt nützlich:

Unser Magazin soll nicht schnell über Aktuelles informieren, sondern einen möglichst schlüssigen und kompletten Überblick über die Hintergründe geben, das Design unserer Seite unterschützt das Storytelling bei der Zusammenfassung der Inhalte. (mehr dazu später im Storytellingbereich)

3. Gutes Design ist ästhetisch:

Ok, Ästhetik ist Geschmacksache, uns gefällts insofern ists auch ästhetisch 😉

4. Gutes Design macht ein Produkt verständlich:

Wenn wir es nicht schaffen verständlich zu sein, haben wir versagt. Das gilt für uns Journalisten aber nicht nur für Design sondern auch für unser Storytelling und für unsere Arbeit im Ganzen. Verständlichkeit ist Pflicht. Um unsere Geschichten online sofort greifbar zu machen arbeiten wir mit starken Bildern.

5. Gutes Design ist unaufdringlich:

Das Ziel unseres Designs ist es komplett hinter die Geschichte zurückzutreten, im Mittelpunkt soll die Erzählung der Inhalte stellen, daher verzichten wir fast komplett auf Designelemente. Wir markieren Bereiche unserer Artikel mit Farben und verzichten auch nahezu komplett auf ein klassisches Menü.

6. Gutes Design ist ehrlich:

Ehrlichkeit ist die einzige Währung auf die wir als Nachrichtenjournalisten wirklich bauen können und für uns als ORF auch ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal – Storys sollen halten was die Headline verspricht (Clickbaiting anyone?), die relevanteste Information soll immer auch sofort sichtbar sein, Details zur Story finden sich in tieferen Ebenen wieder. Also Ehrlichkeit heißt für uns, dass wir uns nicht hinter catchy Schlagzeilen verstecken und dann nicht liefern. Wer verspricht muss auch halten.

7. Gutes Design ist von Dauer:

Schon aus rein betriebswirtschaftlichen Gründen muss unser Design von Dauer sein – wir können uns nicht alle Jahre ein Redesign leisten. Daher die Fokussierung auf starke Bilder im Design, Bilder kommen nie aus der Mode und tragen auch einen wichtigen Teil zum Storytelling bei.

8. Gutes Design ist bis ins letzte Detail durchdacht:

Wir haben viel Zeit in das Design der Geschichten investiert um die Nutzer streng auf die Geschichte zu fokussieren, keine Designelemente sollen den Erzählfluss stören.

9. Gutes Design ist Umweltfreundlich:

Tja gut das ist vielleicht der einzige Punkt der einfach nicht auf Webdesign zutrifft, würde man unsere Seite ausdrucken wäre sie auf Grund der vielen Bilder auch sicher nicht umweltfreundlich.

10. Gutes Design ist so wenig Design wie möglich:

In diesen Punkt haben wir viel Zeit investiert da unser Ziel war dass das Design komplett hinter die Geschichte zurücktritt. Bild und Headline sollten für sich sprechen und durch das Storytelling unterstützt sollen die User ohne Aufwand durch unsere Geschichten gelotst werden – ob das funktioniert? Wir finden schon – das heißt aber nicht viel.

 

Ok, wie sieht jetzt also der Prozess aus in dem wir unsere Seite entworfen haben. Im wesentlichen gibt es drei Schritte die uns zu unserem finalen Schritt geleitet haben. Der erste Schritt war im wesentlichen ein Rohentwurf eines monothematischen Magazines mit dem ich durch den ORF gegangen bin um Unterstützung zu finden. Im zweiten Schritt habe ich dann das Design weiterentwickelt schon mit dem Gedanken im Kopf wie sich das ganze tatsächlich umsetzen lässt. Dieser Schritt bildete dann auch die Grundlage für die Agentur die daraus dann im dritten  Schritt einen finalen Entwurf erstellt hat.

 

 

 

 

Logo und Name

Ein Produkt braucht einen Namen und im Idealfall auch ein Logo – so auch unser Magazin.  Der Name sollte im Grunde ausdrücken was unser Magazin ist, nämlich eine Begleitung für die ORFeins Information im Internet, die sich jede Woche um ein Thema annimmt und dabei auf alle unsere Medien zurückgreift. Also im Grunde ein Magazin ist, monothematisch ist und multimedial ist. Wir haben an zwei Zugängen gearbeitet einen völlig generischen Namen mit einem generischen Logo oder aber ein Logo das komplett in unsere CI passt und selbsterklärend ist. Letzten Endes haben wir uns auf drei Varianten geeinigt die in die Endausscheidung gehen sollten nämlich Unu, einsM und [M]eins. Geworden ist es dann schlussendlich [M]eins, auch um in Namensgebung und Design möglichst nah an der hauseigenen CI zu bleiben.

 

Die Wiedererkennung der ORF-Brand hängt natürlich nicht nur am Logo sondern auch an Schriften und Farben, daher setzen wir in diesen Fällen auf die Hausfarben des ORF, also auf ein spezielles rot, petrol und gelb. Bei den Schriftarten verlassen wir uns im Headline Bereich auf Gotham und Bonn. Bei Videoinserts auf Bebas Neue und bei Untertiteln auf Gotham Light.

Storytelling

Was wir tun ist Geschichten erzählen und wir haben und wie eine Theorie (ohne Quelle weil ich zu faul zu suchen bin) besagt beschränken wir uns da im Wesentlichen auf einige Wenige immer wiederkehrende Formen und so haben wir uns auch für eine Form entschieden die nicht neu und auch nicht wirklich besonders ist, nämlich den Nutzer an der Hand zu nehmen ihn am Beginn der Geschichte abzuholen und ihn dann durch eine Geschichte zu leiten.

Kernelement unserer Geschichten sind natürlich unsere Videos – wir kommen vom Fernsehen – Video ist als unser natürliches Element. Angereichert wird das ganze um Infografiken die von unserer Grafikerin gestaltet werden. Zusätzlich arbeiten wir noch mit der Wiener Drahtwarenhandlung zusammen die uns datenjournalistische Inhalte aufbereiten und zu interaktiven Infografiken zusammenfügen. Abgeschlossen wird jede Geschichte von einer Art „Kommentar“ von zwei Poetry Slammern.

Bei der Gestaltung der Videos im Generellen haben wir darauf geachtet dass sie ohne Ton konsumierbar sind und eine gewisse Länge nicht überschreiten sollten. Alle Videos gibt es so, je nach Endgerät mit Untertitel, ohne Ton oder auch mit Beidem.

Content

Kern des Contents ist jede Woche eine neue Fragestellung die von allen Seiten beleuchtet wird. Mit Hilfe von Infografiken, Fotos, Text und Video versuchen wir eine möglichst nahe Annäherung an eine Antwort auf die gestellte Frage – versuchen aber einen letzten Rest immer offen zu lassen. Die Schwierigkeit an Langformaten, besonders an multimedialen Langformaten ist dass um es „teilbar“ in sozialen Netzwerken zu machen jeder Teilbereich zwar für sich stehen können muss, aber das ganze trotzdem ineinander greifen muss. Unser Zugang ist dazu die Geschichte in kleine „Subgeschichten“ zu zerteilen die alle ihren eigenen Spannungsbogen haben und so auch für sich stehen können – ob das funktioniert kann man sich auf unserer Facebookseite ansehen.

Name

Der Name [M]eins bezieht sich zum einen auf unseren „Heimatsender“ ORFeins, und zum anderen auf unserer Heimat das ZiB Magazin, zusätlich kann man das M auch noch als multimedial und monothematisch deuten. Entstanden ist der Name nach einigen Versuchen mit generischen Namen wie Unu. Entschieden haben wir uns dann für [M]eins auch auf Grund der Übereinstimmung mit anderen Namen aus dem ORF Universum.

Technik

Technisch ist der Betrieb der Seite auf zwei Systeme aufgeteilt, das eine System dient als unser Staging System und beinhaltet damit das eigentliche, dynamische Content Management System und auf der anderen Seite das Auslieferungssystem welches die Seite als solches dann ausliefert. Ausgeliefert wird eine statische HTML Seite die mit einem Static HTML Generator von der eigentlich lebenden Seite generiert wird – das garantiert zum einen Geschwindigkeit und zum anderen auch einen gewissen Grad an Sicherheit.

Die Produktion der Inahlte basiert im wesentlichen auf der Creative Suite von Adobe, eingesetzt werden Photoshop, After Effects und Dreamweaver zusätzlich kommt noch Final Cut von Apple für den Videoschnitt zum Einsatz. Die „tragenden“ Systeme sind ORF-Standardkomponenten, also für die Creative Suite HP Workstations und für Final Cut Mac Pros. Ziel des Einsatzes von Standardkomponenten war auch zu zeigen dass sich ein „Online-Workflow“ ohne weiteres mit einem „TV-Workflow“ verbinden und umsetzen lässt.

 

In diesem Sinne – anschauen lohnt sich und zwar unter meins.orf.at!

Silicon Valley – die Zukunft?

Das Silicon Valley ist ein recht kleines Gebiet südlich von San Francisco und zieht sich bis San Jose. Mit der Errichtung des ersten Industrieparks der Region durch die Stanford University 1951 begann der wirtschaftliche Aufschwung. Heute ist das Silicon Valley das technologische Zentrum und Herz der Welt – hier sitzen Apple, Google, Intel, Adobe und viele mehr. Insgesamt sitzen hier über 3000 Unternehmen unterschiedlicher Größe – 25% der Bevölkerung des Valleys arbeiten direkt in diesen Unternehmen, Schätzungen zu Folge profitieren über 80% der Bevölkerung von den Unternehmen (und das ist wohl noch pessimistisch geschätzt). Zusätzlich gilt die Gegend auch als Motor der Innovation, Ideen die hier erfolgreich sind, können es überall sein. In der Technologiewelt ist es also nicht mehr New York, sondern Orte wie Cuppertino, Palo Alto und San Jose. Junge Programmierer, Designer und Unternehmer aus der ganzen Welt zieht es nach Kalifornien um hier ein Teil von etwas zu werden was im großen und ganzen wohl als die Zukunft unserer Wirtschaft zu sehen ist.

Nur Trial und Error oder doch mehr?

Fragt man in den letzten Jahren irgendjemanden zum Thema Silicon Valley hört man auf die meisten Fragen immer die gleiche Antwort: Die Stärke der Amerikaner liegt im Scheitern und danach Wiederaufstehen. Und ja das stimmt natürlich schon sagt Markus Wagner, Gründer von i5invest der selbst ein Unternehmen ins Silicon Valley verkaufen konnte. Allerdings ist das nur ein Teil der Wahrheit, für den Erfolg essentiell sind hier gute Netzwerke, gute Entwickler und ganz im generellen hervorragende Technologie. Um dann noch zu dem Promill zu gehören dass für astronimische Summen verkauft wird braucht es aber vor allem eines: den Ausblick auf Einnahmen – ein Geschäftsmodell also. Und spätestens hier hört „Trial and Error“ auf, hat man kein funktionierendes Geschäftsmodell hat man recht schnell kein Unternehmen mehr.

 

ZiB Magazin – Österreichische StartUps im Silicon Valley from Florian Matscheko on Vimeo.

mit i5invest, indoo.rs, cyberith.

 

Las Vegas

Es ist 14.20 – im Fernsehen läuft der Frauen Bowling World Championship und ich bin seit gut 24 Stunden alleine in Las Vegas. Alleine in einer Stadt zu sein die Projektionsfläche für Spass und eine Hülle für Ekstase sein soll ist nicht ganz einfach. Geht man Abends auf die Straße, auf die eine Straße wo auch andere Menschen sind – den Strip – steht man in einer gigantischen Gruppe von Gruppen die scheinbar feiern dass man plötzlich auf der Straße saufen darf. Was bei uns ein normaler Mittwoch Nachmittag ist, reicht in den USA für den Inbegriff von Sin-City. Las Vegas soll wild sein, alles was es ist ist aber erbärmlich. Unglaublich stumpfe, hässliche Menschen ziehen durch die Straße mit riesigen Plastikvasen aus denen sie irgendwas trinken.

Die Stimmung ist hier genau so künstlich wie der Geruch in den riesigen Hotels, aus Bodenlautsprechern läuft rund um die Uhr schlechter Techno egal wo man sich aufhält am Strip und auf Pool Partys tritt Steve Aoki auf. Dazu kommt noch die allgegewnwärtige Prostitution, die in Las Vegas streng genommen nicht legal ist, sonst überall in Nevada aber schon, das stört hier aber scheinbar niemanden. Auf der Straße werden von alten Frauen mit grellen „Girls, Girls, Girls“ Flyer mit Telefonnummern von Private Dancern verteilt. Wie der Tanz dann aussieht kann man sich leicht ausrechnen.

Also was tut man in so einer Stadt? Richtig: nicht viel. Zwei mal den Strip rauf und runter gehen und man hats gesehen. Die Shows besuchen? David Copperfield? Britney Spears? Na eher nicht. Interessanterweise treten hier aber auch Leute wie Ghostface Killah vom Wu-Tang Clan auf – und zwar in einem Lokal in dem man sonst Chicken Wings isst. Tja was bleibt sonst noch? Outlet-Center irgendwo außerhalb und halt der übliche internationale Designerschmuh in den Hoteleinkaufszentren (inklusive aufgemalten Himmel yeah!). Ja dann noch spielen: Fühlt sich bissl wie im mittlerweile geschlossenem Automatencasino im Prater an. Dann noch Essen, jede Kette ist vertreten – mit langer Schlange vor der Tür. Also besser Sandwich vom Wallgreens und ESPN im Hotelfernseher.

Achja und Messe war natürlich auch, die NAB. Was gabs zu sehen? Neue Kameras von Blackmagic, neue Software von Avid und ein Versuch von Microsoft innovativ zu sein.

RoundUp Absturzursachen lt. Verschwörungstheoretikern

Man ist sich uneins im Land der Verschwörungstheoretiker – ein Flugzeug ist abgestürzt und es gibt zu viele Gründe für das warum, ein kurzes Roundup:

1. Ein satanisches Ritual

Satanische Rituale passieren – glaubt man den Internetexperten – so ziemlich jeden Tag auch der 24.3., also der Tag des Absturzes war wieder mal ein satanisches Fest, um genau zu sein ein Opferfest, das so genannte Fest des Tieres. Dabei sollen 16-Jährige Mädchen in einer festlichen Zeremonie zur Braut Satans werden und 16-Jährige Mädchen waren auch in dem Flugzeug ganz klar also: der Teufel wars. Hinter diesen „Opferfesten“ steht übrigens ein satanischer Kult der globalen Elite.

2. Den Reptoiden geht die Energie aus

Die Reptoiden leben im Inneren der Erde, sind eine Art Eidechse und ernähren sich von Basen die in der Erde enthalten sind. Und jetzt hat es sich ergeben dass den Reptoiden die Energie ausgeht, daher muss geopfert werden und zwar ein Flugzeug voller Mensch. Wie aus einem Flugzeug Basen in der Erde werden muss man dazu nicht wirklich verstehen – die satanische Weltelite wirds schon richten.

3. Die USA senden eine Botschaft an Merkel

Um ein bisschen wegzukommen von Satan und Eidechsen eine eher politische Theorie: Merkel spurt nicht (wobei auch immer) und wird von Obama zu Recht gewiesen – Kampfjets der Nato haben demnach das Flugzeug einfach abgeschossen – daher ist auch so wenig übergeblieben – alles klar?

4. CERN

Das CERN in der Schweiz erfreut sich auch immer wieder großer Beliebtheit. Diesesmal hat angeblich das magentische Feld des CERN das Flugzeug vom Himmel gesaugt, warum es nur dieses eine erwischt hat bleibt offen, lässt sich aber vielleicht mit 1., 2., 3., 5. oder 6. erklären.

5. Patente waren an Bord

Der Klassiker unter den Verschwörungstheorien: Flugzeuge werden von verrückt gewordenen Rothschilds aus der Luft geholt weil ein paar Patentbesitzer auf den Flug gebucht waren. Um die Patente zu bekommen schießen die Rothschilds das Flugzeug einfach ab, wie diese Patente dann bei den Rothschilds über Vererbung oder ähnliche mystische Vorgänge landen sollen ist nicht klar.

6. Das Volk soll vom Sturm auf den Bundestag abgehalten werden

Glaubt man dem seriösen Medium publikative.org wird am 8. Mai der Bundestag gestürmt und glaubt man den „Experten“ wurde der Absturz inszeniert um das Volk davon abzuhalten. Wieso und warum beides passieren sollte wird wie immer höchst schlüssig mit „jetzt reichts“ erklärt.

Warum es wichtig ist Jihad-Touristen nach Österreich zurück zu lassen!

Vor einigen Monaten ist ein junger Wiener, frisch konvertiert, nach Syrien gezogen um dort nach einem besseren Leben im Kalifat zu suchen. Jetzt ist der Jugendliche nach Österreich zurückgekehrt. Nach eigenen Angaben hat er als Rettungsfahrer gearbeitet und wurde bei einem Angriff rund um Kobane schwer verletzt – ihm fehlt ein Teil seiner Milz, ein Lungenflügel und eine Niere. Geläutert stellt er sich bei seiner Einreise am Wiener Flughafen den Behörden und ist voll geständig.

In Österreich wurde nach Bekanntwerden der überraschend hohen Zahlen der nach Syrien gegangen Jugendlichen die Forderung laut ihnen den Pass zu entziehen. Laut einer aktuellen OGM Studie können sich 88% der ÖsterreicherInnen mit dieser Forderung anfreunden, das ist gemeinsam mit der Forderung nach temporären, unangekündigten Grenzkontrollen auch der „größte Wunsch“ der Bevölkerung.

Aber genau das, das Verhindern der Rückkehr, dürfte der falsche Weg sein. Denn zum einen können nur die Rückkehrer einen Einblick in die Strukturen des IS geben, die es ermöglichen dass 16-Jährige unbemerkt in ein Kriegsgebiet ziehen um dort zu kämpfen. Nur auf diesem Weg ist es möglich die Menschen zu finden die Jugendliche dazu überreden in den Krieg zu ziehen. Verhindern wir eine solche Rückkehr berauben wir uns der Chance Einblicke in diese Netzwerke zu erhalten.

Zum Anderen stärkt es letzten Endes den islamischen Staat in seiner Argumentation dass der „Westen“ nichts mehr mit den in Syrien Kämpfenden zu tun haben will und daher eine Rückkehr sowieso ausgeschlossen ist. Unsere Gesellschaft und unsere Rechtssprechung muss stark genug sein, junge Menschen die, vielleicht durch unwahre Versprechungen, verführt wurden in einen Krieg zu ziehen der nicht der ihre ist, wieder integrieren zu können. Denn ich glaube die wahre Stärke einer Gesellschaft zeigt sich darin wie sie mit Leuten umgeht, die versuchen diese Gesellschaft zu zerstören.

#StayMuslimDontVote Kampagne in England

Am 7. Mai 2015 wählen die Briten ihr Unterhaus neu. Während die Parteien im Wahlkampf sind rufen britische Salafisten dazu auf die Wahlen generell zu boykottieren – Begründung dafür: Allah ist die einzige gesetzgebende Gewalt und nur Allah darf entscheiden was Recht und was Unrecht ist – ein Parlament bzw. generell Politik ist damit nutzlos. Wer genau hinter der Aktion steht ist unklar – Sprecher der Kampagne ist der Extremist Anjem Choudary, dieser hat unter anderem die Organisation Islam4Uk gegründet. Diese und eine weitere von ihm gegründete Organisation wurden von den britischen Behörden als terroristisch eingestuft und verboten. Seit Wochen fordert die Kampagne online unter dem Hashtag #staymuslimdontvote Muslime auf nicht zur Wahl zu gehen.

Mittlerweile gibt es auch Demonstrationen und Straßenaktionen in denen Muslime dazu aufgefordert werden nicht zur Wahl zu gehen.

Anhänger findet die Kampagne vor Allem unter Jihadisten und Salafisten die besonders die Forderung nach Einführung der Sharia in England unterstützen.

https://twitter.com/ummusmaan1/status/576291223553601537

https://twitter.com/naayacaliyo/status/575241412230410240

Ob die Kampagne tatsächlich Einfluss auf das Wahlverhalten haben wird, wird sich erst zeigen, allerdings ist das meines Wissens der erste Versuch von Salafisten und Jihadisten direkten Einfluss auf politische Prozesse in Europa zu nehmen.