Oliver N., Jihadist

Rund 150 Österreicher waren laut offiziellen Angaben in Syrien, um sich dem Islamischen Staat anzuschließen. 60 von ihnen sind laut Innenministerium bereits zurückgekehrt, zumindest 30 sind getötet worden.

Die Anwerbung der meist jugendlichen Kämpfer erfolgt oft über das Internet. In sozialen Netzwerken werden Bilder, Videos aber auch Erfahrungen aus dem Kriegsgebiet in Syrien gepostet. Diese Beiträge ermöglichen einen Einblick in das Leben der jungen Jihadisten.

Wir haben uns das Profil eines besonders mitteilungsfreudigen Kämpfer des IS angesehen und können so seine Geschichte, basierend auf seinen eigenen Angaben erzählen.

Abu Muktail Al Almani ist Kämpfer des IS in Syrien. In Videos droht er seiner ehemaligen Heimat Österreich. Die „Gläubigen“ sollen die „Ungläubigen“ abschlachten um zu Ehre zu gelangen – so die Forderung. Im bürgerlichen Namen heißt er Oliver N.

Ein Porträt, basierend auf den Angaben in sozialen Netzen

Oliver wurde vor rund 16 Jahren in Österreich, in Linz geboren. Oliver wächst bei seiner Mutter und seinem Stiefvater auf. Nach der Schule beginnt er eine Lehre und arbeitet nebenher in einem Wiener Fitnessstudio. Im Mai 2014 konvertiert er zum Islam. Von da an verändert sich sein Leben. Oliver liest viel im Koran und online über seine Religion und findet neue Freunde.

Bereits drei Monate nach seiner Konvertierung beschließt Oliver, Österreich zu verlassen und sich in Syrien der Terrormiliz IS anzuschließen. Er packt seinen Koffer und fliegt nach Istanbul. Dortverbringt er in einem billigen Hotel drei Nächte bevor er in die Südtürkei aufbricht. Mit dem Flugzeug fliegt er an die syrischen Grenze undüberquert diese dann zu Fuß, in einem Maisfeld.

Auf der anderen Seite der Grenze wird er von IS-Sympathisanten erwartet. Sein neues Leben im Islamischen Staat beginnt. Er legt seinen bürgerlichen Namen, Oliver, ab und heißt ab sofort Abu Muktail Al Almani.

Der Name bedeute soviel wie „der aus Deutschland stammende“, er bezieht sich in einem selbst gewählten Namen auf seine Kindheit in Deutschland. Er sagt über sich selbst, dass er sich deutsch fühle, Österreich für ihn nur ein Wohnort gewesen sei. Ab sofort ist er ab Mitglied des Islamischen Staates, es ist Ende August, das Wetter ist gut – sagt er zumindest auf dem sozialen Netzwerk ask.fm.

Oliver zieht gemeinsam mit philippinischen Jihadisten in ein Haus.Westlicher Standard ist das Haus zwar nicht, verfügt aber über WLAN. Via Internet gibt er seinen ehemaligen Klassenkameraden Bescheid, dass er jetzt in Syrien sei um seine Religion zu leben. Garniert sind die Grüße aus dem Islamischen Staat mit einigen Drohungen an die „Ungläubigen“ in Österreich. Sein neues Leben unterscheidet sich zu Beginn nicht sehr von seinem Leben in Österreich: Zum Frühstück gibt es Nutella, normales Waschmittel, Deo und Duschgel sind im Supermarkt zu beziehen. Auch um Geld muss er sich keine Sorgen machen vom Islamischen Staat bekommt er ein kleines Taschengeld von 150$ im Monat.

Nach einigen Tagen muss Oliver zur Grundausbildung an der Waffe. Für diese Zeit muss Oliver sein Handy abgeben, zu seiner eigenen Sicherheit, wie er auf ask.fm sagt.

Zurück aus dem Trainingslager kehrt Oliver in sein „altes“ Haus zurück und trifft sich in seiner reichlich vorhanden Freizeit mit einem anderen Österreicher, Firas. Der 19-Jährige ist bereits seit über einem Jahr in Syrien. Gemeinsam trinken sie Softdrinks und fahren Motorrad. In Liebesdingen ist Oliver in seiner neuen Heimat auf der Suche, verheiratet ist er noch nicht, eine Verlobung ist auch noch nicht in Aussicht. Hätte er dennoch einmal Lust auf Zweisamkeit könnte er sich im Kalifat am Markt bei den Sklavinnen bedienen. Sex außerhalb der Ehe ist mit Sklavinnen nämlich im Gottesstaat nicht verboten. Durch Eroberung von Kurdengebieten sorgt der IS auch für regelmäßigen Nachschub für die Sklavenmärkte.

Aber Oliver ist auf der Suche nach einer züchtigen Frau, die sich um seinen Haushalt kümmert und ihm Kinder schenkt. Ein Einstandsgeschenk hat er bereits besorgt, eine Pistole. Oliver ist nicht unbedingt auf der Suchenach einer Frau aus Syrien oder dem Irak, es kann auch eine Frau aus Europa sein. Diese würde er von der Grenze abholen – mit einem Pferd – als Symbol der Achtung vor ihrer Beziehung. Sobald Oliver seine Familie gründet, kann er vom Islamischen Staat eine Art Familienbeihilfe von 1500$ beantragen. So sorgt der IS dafür, die Bevölkerung hinter sich zu haben, denn ohne Bevölkerung kein Staat. Sollte dennoch jemand in den IS-kontrollierten Gebieten sich nicht an die Gesetze der Scharia halten, wird auch nach der Scharia bestraft, Steinigungen, Erschießungen und Enthauptungen sind die drohenden Strafen. Selbst gesehen hat Oliver diese Bestrafungen allerdings noch nicht, verpassen möchte er das allerdings nicht.

Mitte September verletzt Oliver sich am Fuß und kann so eine Weile nicht ordentlich gehen. Kampfhandlungen fallen in dieser Zeit für ihn aus.Generell war er noch nicht in sehr viele Kampfhandlungen verwickelt. Die Teilnahme an diesen ist in den meisten Fällen freiwillig, sollte es aber zu größeren Angriffen kommen ist auch eine Verpflichtung denkbar.

Anfang Oktober ist Oliver noch immer nicht ganz fit, kann aber für ein Propagandavideo des IS posieren. Im Video fordert er seine Brüder im Glauben auf, die Kuffar (=“Ungläubigen“) wie die Schafe zu schlachten, eine Drohung, die sich auch an sein ehemaliges Heimatland Österreich richtet. Ehemalige Mitschüler erkennen ihn in dem Video. Mit einem Schlag ist Oliver berühmt – zumindest in Österreich. Auch seine Mutter erfährt erst durch dass Drohvideo, dass ihr Sohn in den so genannten Jihad gezogen ist.

Oliver auf ask.fm

ask.fm

Kontakt hält Oliver weiterhin über Handy und Internet – Angst davor, für den Anschluss an eine terroristische Organisation bestraft zu werden hat er nicht. Schließlich ist eine Rückkehr nicht geplant – zumindest nicht in das bestehende Österreich – wenn er zurückkommt, will er das nur in ein Kalifat.

Seit rund einer Woche ist Oliver offline. Seine Profile wurden gesperrt, neue sind noch nicht aufgetaucht. Das ist seine Geschichte bisher, so wie er sie auf ask.fm allen, die ihm zuhören, erzählt.

 

Veröffentlicht unter http://fm4.orf.at/stories/1748652/

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