Wir Kinder vom Yppenplatz.

Yppenplatz, 1160 Wien, vor ein paar Jahren noch Ghetto, jetzt werden auf alte marode Häuser Penthäuser draufgesetzt – da freut sich der Immobilienmarkt. Auf der einen Seite endet der Brunnenmarkt, wo man noch stolz ist auf Tomaten groß wie Kinderköpfe und auf der anderen Seite der frei- und samstägliche Bauermarkt wo auf gewollt schief aufgestellten Kisten ebenso schiefes Obst um verrückt überhöhte Preise verkauft werden. Ja Yppenplatz du bist das Gesicht der Gentrifizierung in Wien. Aber zwischen den beiden Märkten gibts noch einen dritten Markt, die Kunden dieses Marktes kennt vor allem von der UBahn Station Josefstädter Straße. Sie haben blaue Lippen, glasige Augen, treten manchmal Radfahrer von ihren Rädern aber meistens wollen sie nur eins: Drogen – kaufen und verkaufen.

Umschlagplatz ist die U-Bahnstation selbst und der Yppenplatz, das dürfte zum einen mit der Nähe zur Josefstädterstraße aber auch mit den Gegebenheiten vor Ort zu tun haben. Auf zwei Seiten des Platzes sind Mauern. Dazwischen ist viel Platz man sieht also jeden Verdächtigen von Weitem kommen. Hier wird mit so ziemlich allem gehandelt – von Klassikern wie MDMA und Marihuana über Substis bis zu für unseren Markt neue Dinge wie Crystal und Wizard. Wie läuft also jetzt ein Deal hier ab? Durch die „natürlichen“ Gegebenheiten hat sich hier ein recht schlaues System etabliert. Man wird entweder von älteren Dealern oder von ihren Mulis auf Fahrrädern, meist nicht strafmündige Burschen, angesprochen – gibt dann seine Bestellung auf und dann wird die Ware geholt. Versteckt sind die Drogen in kleinen Portionen in den Tischen des Platzes, im Kies des Kinderspielplatzes oder auf den Grüninseln des „Parkes“. Die Lieferanten der Drogen sind in so gut wie allen Fällen nicht strafmündige Jugendliche auf Fahrrädern. Warum? Zum einem weil man auf einem Fahrrad schnell weiterkommt und zum Anderen weil sie eben nicht strafmündig sind. Die Depots sind unter ständiger Bewachung, die „Wachen“ hocken dabei höchst unauffällig Stunden auf Parkbänken und starren auf die entsprechenden Flecken am Yppenplatz. Alle paar Stunden stehen sie trotzdem nervös auf und graben unruhig nach den versteckten Drogen und kontrollieren ob noch alles da ist. Immer wieder kommt es zwischen Konsumenten und Dealern zu Auseinandersetzungen, niedergestochene Jugendliche und Schlägereien gehören scheinbar einfach dazu. Gefahr für Unbeteiligte dürfte allerdings nicht wirklich bestehen – die Aggressionen richten sich meist gegen die eigene „Gruppe“.

Konsumiert werden die Drogen gerne in der näheren Umgebung oder direkt am Platz. Besonders beliebt das öffentliche Toilettenhäuschen. Aber dank Postschlüssel erfreuen sich auch die Häuser in der näheren Umgebung großer Beliebtheit. Im Winter werden so die Häuser der Umgebung nicht nur Ort des Konsums sondern oft auch Wohnort für die meist Obdachlosen Konsumenten.



Notschlafstellen gibt es zwar auch in nächster Umgebung genug (z.B. das Vinzihaus auf der Ottakringerstraße) allerdings sind dort nur Gäste willkommen die weder Alkohol noch Drogen konsumiert haben. So versuchen die Konsumenten oft gar nicht mehr dort unter zu kommen sondern wählen im Sommer den Park als Schlafplatz und im Winter eben Heizräume, E-Zählerräume und generell jedes Versteck das sich in einem Haus anbietet.

Bleibt die Frage was man tun kann? Nicht wirklich viel: die Polizei ist präsent, das stört aber niemanden, die Verstecke zu plündern wird auch zu nichts führen. Also einfach damit leben?

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