Wir machen uns ein Web-Magazin!

Was ist es was wir Journalisten tun? Ganz egal ob beim Fernsehen, im Internet, im Radio – wir erzählen im wesentlichen Geschichten. Jedes Medium hat dabei eine eigene Sprache gefunden und perfektioniert. Eine verknüpfte Sprache die alle Medien übergreift gibt es dazu nicht – warum auch – es gibt doch schließlich kein verknüpfendes Medium. Und das hat auch seine Berechtigung und wird sie auch immer haben – jedes Medium hat spezielle Stärken die gezielt ausgenutzt werden. Unser Ziel war es ein Magazin zu entwickeln dass die Stärken der einzelnen Bereiche verbinden kann und nicht die bestehenden Medien ablöst – sondern eine sinnvolle, verknüpfende und ergänzende Funktion erfüllt.

Es hat ziemlich genau 14 Monate gedauert von der ersten Idee bis zur Umsetzung eines monothematischen, wöchentlichen Webangebotes für die ORFeins Fernsehinformation. Die Grundpfeiler der Idee sind zwei Gedanken:

1. Bauen wir uns eine Plattform auf der wir Themen im vollen Umfang zeigen können und uns nicht beschränken müssen auf die wenigen Sekunden die wir im Fernsehen zur Verfügung haben.

2. Erweitern wir unser (zugegebenermaßen oft niedrige) Quote sowie unsere Zielgruppe.

 

Ausgangslage

Klingt einfach ist es aber nicht ganz, da das Angebot für den ORF umgesetzt werden soll müssen wir uns dabei an spezielle Rahmenbedingungen des Gesetzgebers halten, dazu gehört unter anderem das Verbot von „speziellen Angeboten“ (§ 4f Abs. 2 ORF-G Fach- und Zielgruppenangebote, die in Form und Inhalt über ein nicht-spezialisiertes Angebot von allgemeinem Interesse hinausgehen, soweit es sich nicht um sendungsbegleitende Angebote handelt;) oder auch das Verbot von speziell für mobile Endgeräte gestaltete Angebote  (§ 4f Abs. 2 ORF-G eigens für mobile Endgeräte gestaltete Angebote). Wir beschränken uns also bei unserem Angebot auf ein „sendungsbegleitendes“ Angebot, das bedeutet, das Thema das wir online erzählen muss seinen Anker und Ursprung im Fernsehen haben und muss dazu ergänzend sein. Da wir im Nachrichtengeschäft sind ist das kein großes Problem.

Design

Das Webdesign des ORF ist vor allem eines: funktionell. Die „blaue Seite“ ist seit Jahren nahezu unverändert und vielleicht auch gerade deshalb so erfolgreich – der Nutzer erhält schnellen Zugriff auf aktuelle Informationen – nicht mehr aber vor allem auch nicht weniger. Und der Erfolg gibt dem Design der blauen Seite recht: fast die Hälfte der österreichischen Internet-Nutzer nutzen das Dachangebot von orf.at (Quelle: http://www.oewa.at/index.php?id=14654). Wir wollen in unserem Magazin keine schnelle Informationen anbieten (also nicht unser eigenes, extrem erfolgreiches Produkt kanibalisieren) sondern wir wollen eine Lücke schließen die derzeit weder das aktuelle ORF-Fernsehen noch orf.at erfüllt, nämlich Hintergründe zu den im Fernsehen gebotenen Informationen. Wir versuchen uns beim Design an die 10 Design Principles von Dieter Rams zu halten:

1. Gutes Design ist innovativ:

News-Seiten die nicht intuitiv sind werden nicht gelesen – simple fact – da unserer Seite genau eine Geschichte pro Woche beherbergt sind wir fundamental darauf angewiesen dass sich die Geschichte sofort mit dem laden der Seite „öffnet“ und erschließt. Weil wir Fernsehmenschen sind und damit an die Macht der Bilder glauben greifen wir auch hier auf diese „Macht“ zurück und setzen hier auf ein starkes Bild mit einer starken Headline – nicht mehr aber auch nicht weniger.

2. Gutes Design macht ein Produkt nützlich:

Unser Magazin soll nicht schnell über Aktuelles informieren, sondern einen möglichst schlüssigen und kompletten Überblick über die Hintergründe geben, das Design unserer Seite unterschützt das Storytelling bei der Zusammenfassung der Inhalte. (mehr dazu später im Storytellingbereich)

3. Gutes Design ist ästhetisch:

Ok, Ästhetik ist Geschmacksache, uns gefällts insofern ists auch ästhetisch 😉

4. Gutes Design macht ein Produkt verständlich:

Wenn wir es nicht schaffen verständlich zu sein, haben wir versagt. Das gilt für uns Journalisten aber nicht nur für Design sondern auch für unser Storytelling und für unsere Arbeit im Ganzen. Verständlichkeit ist Pflicht. Um unsere Geschichten online sofort greifbar zu machen arbeiten wir mit starken Bildern.

5. Gutes Design ist unaufdringlich:

Das Ziel unseres Designs ist es komplett hinter die Geschichte zurückzutreten, im Mittelpunkt soll die Erzählung der Inhalte stellen, daher verzichten wir fast komplett auf Designelemente. Wir markieren Bereiche unserer Artikel mit Farben und verzichten auch nahezu komplett auf ein klassisches Menü.

6. Gutes Design ist ehrlich:

Ehrlichkeit ist die einzige Währung auf die wir als Nachrichtenjournalisten wirklich bauen können und für uns als ORF auch ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal – Storys sollen halten was die Headline verspricht (Clickbaiting anyone?), die relevanteste Information soll immer auch sofort sichtbar sein, Details zur Story finden sich in tieferen Ebenen wieder. Also Ehrlichkeit heißt für uns, dass wir uns nicht hinter catchy Schlagzeilen verstecken und dann nicht liefern. Wer verspricht muss auch halten.

7. Gutes Design ist von Dauer:

Schon aus rein betriebswirtschaftlichen Gründen muss unser Design von Dauer sein – wir können uns nicht alle Jahre ein Redesign leisten. Daher die Fokussierung auf starke Bilder im Design, Bilder kommen nie aus der Mode und tragen auch einen wichtigen Teil zum Storytelling bei.

8. Gutes Design ist bis ins letzte Detail durchdacht:

Wir haben viel Zeit in das Design der Geschichten investiert um die Nutzer streng auf die Geschichte zu fokussieren, keine Designelemente sollen den Erzählfluss stören.

9. Gutes Design ist Umweltfreundlich:

Tja gut das ist vielleicht der einzige Punkt der einfach nicht auf Webdesign zutrifft, würde man unsere Seite ausdrucken wäre sie auf Grund der vielen Bilder auch sicher nicht umweltfreundlich.

10. Gutes Design ist so wenig Design wie möglich:

In diesen Punkt haben wir viel Zeit investiert da unser Ziel war dass das Design komplett hinter die Geschichte zurücktritt. Bild und Headline sollten für sich sprechen und durch das Storytelling unterstützt sollen die User ohne Aufwand durch unsere Geschichten gelotst werden – ob das funktioniert? Wir finden schon – das heißt aber nicht viel.

 

Ok, wie sieht jetzt also der Prozess aus in dem wir unsere Seite entworfen haben. Im wesentlichen gibt es drei Schritte die uns zu unserem finalen Schritt geleitet haben. Der erste Schritt war im wesentlichen ein Rohentwurf eines monothematischen Magazines mit dem ich durch den ORF gegangen bin um Unterstützung zu finden. Im zweiten Schritt habe ich dann das Design weiterentwickelt schon mit dem Gedanken im Kopf wie sich das ganze tatsächlich umsetzen lässt. Dieser Schritt bildete dann auch die Grundlage für die Agentur die daraus dann im dritten  Schritt einen finalen Entwurf erstellt hat.

 

 

 

 

Logo und Name

Ein Produkt braucht einen Namen und im Idealfall auch ein Logo – so auch unser Magazin.  Der Name sollte im Grunde ausdrücken was unser Magazin ist, nämlich eine Begleitung für die ORFeins Information im Internet, die sich jede Woche um ein Thema annimmt und dabei auf alle unsere Medien zurückgreift. Also im Grunde ein Magazin ist, monothematisch ist und multimedial ist. Wir haben an zwei Zugängen gearbeitet einen völlig generischen Namen mit einem generischen Logo oder aber ein Logo das komplett in unsere CI passt und selbsterklärend ist. Letzten Endes haben wir uns auf drei Varianten geeinigt die in die Endausscheidung gehen sollten nämlich Unu, einsM und [M]eins. Geworden ist es dann schlussendlich [M]eins, auch um in Namensgebung und Design möglichst nah an der hauseigenen CI zu bleiben.

 

Die Wiedererkennung der ORF-Brand hängt natürlich nicht nur am Logo sondern auch an Schriften und Farben, daher setzen wir in diesen Fällen auf die Hausfarben des ORF, also auf ein spezielles rot, petrol und gelb. Bei den Schriftarten verlassen wir uns im Headline Bereich auf Gotham und Bonn. Bei Videoinserts auf Bebas Neue und bei Untertiteln auf Gotham Light.

Storytelling

Was wir tun ist Geschichten erzählen und wir haben und wie eine Theorie (ohne Quelle weil ich zu faul zu suchen bin) besagt beschränken wir uns da im Wesentlichen auf einige Wenige immer wiederkehrende Formen und so haben wir uns auch für eine Form entschieden die nicht neu und auch nicht wirklich besonders ist, nämlich den Nutzer an der Hand zu nehmen ihn am Beginn der Geschichte abzuholen und ihn dann durch eine Geschichte zu leiten.

Kernelement unserer Geschichten sind natürlich unsere Videos – wir kommen vom Fernsehen – Video ist als unser natürliches Element. Angereichert wird das ganze um Infografiken die von unserer Grafikerin gestaltet werden. Zusätzlich arbeiten wir noch mit der Wiener Drahtwarenhandlung zusammen die uns datenjournalistische Inhalte aufbereiten und zu interaktiven Infografiken zusammenfügen. Abgeschlossen wird jede Geschichte von einer Art „Kommentar“ von zwei Poetry Slammern.

Bei der Gestaltung der Videos im Generellen haben wir darauf geachtet dass sie ohne Ton konsumierbar sind und eine gewisse Länge nicht überschreiten sollten. Alle Videos gibt es so, je nach Endgerät mit Untertitel, ohne Ton oder auch mit Beidem.

Content

Kern des Contents ist jede Woche eine neue Fragestellung die von allen Seiten beleuchtet wird. Mit Hilfe von Infografiken, Fotos, Text und Video versuchen wir eine möglichst nahe Annäherung an eine Antwort auf die gestellte Frage – versuchen aber einen letzten Rest immer offen zu lassen. Die Schwierigkeit an Langformaten, besonders an multimedialen Langformaten ist dass um es „teilbar“ in sozialen Netzwerken zu machen jeder Teilbereich zwar für sich stehen können muss, aber das ganze trotzdem ineinander greifen muss. Unser Zugang ist dazu die Geschichte in kleine „Subgeschichten“ zu zerteilen die alle ihren eigenen Spannungsbogen haben und so auch für sich stehen können – ob das funktioniert kann man sich auf unserer Facebookseite ansehen.

Name

Der Name [M]eins bezieht sich zum einen auf unseren „Heimatsender“ ORFeins, und zum anderen auf unserer Heimat das ZiB Magazin, zusätlich kann man das M auch noch als multimedial und monothematisch deuten. Entstanden ist der Name nach einigen Versuchen mit generischen Namen wie Unu. Entschieden haben wir uns dann für [M]eins auch auf Grund der Übereinstimmung mit anderen Namen aus dem ORF Universum.

Technik

Technisch ist der Betrieb der Seite auf zwei Systeme aufgeteilt, das eine System dient als unser Staging System und beinhaltet damit das eigentliche, dynamische Content Management System und auf der anderen Seite das Auslieferungssystem welches die Seite als solches dann ausliefert. Ausgeliefert wird eine statische HTML Seite die mit einem Static HTML Generator von der eigentlich lebenden Seite generiert wird – das garantiert zum einen Geschwindigkeit und zum anderen auch einen gewissen Grad an Sicherheit.

Die Produktion der Inahlte basiert im wesentlichen auf der Creative Suite von Adobe, eingesetzt werden Photoshop, After Effects und Dreamweaver zusätzlich kommt noch Final Cut von Apple für den Videoschnitt zum Einsatz. Die „tragenden“ Systeme sind ORF-Standardkomponenten, also für die Creative Suite HP Workstations und für Final Cut Mac Pros. Ziel des Einsatzes von Standardkomponenten war auch zu zeigen dass sich ein „Online-Workflow“ ohne weiteres mit einem „TV-Workflow“ verbinden und umsetzen lässt.

 

In diesem Sinne – anschauen lohnt sich und zwar unter meins.orf.at!

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